10. Juli 2026
Akzeptanz – Die 9 Grundhaltungen der Achtsamkeit von Jon Kabat-Zinn
Nachdem wir in dieser Blog-Serie bereits andere Haltungen beleuchtet haben (hier geht es zum Einführungsartikel der Serie), widmen wir uns heute einem der am häufigsten missverstandenen Konzepte: der Akzeptanz nach Jon Kabat-Zinn.
Mark Manson
Wie der Kampf gegen die Realität chronischen Stress befeuert
Psychologisch gesehen ist mangelnde Akzeptanz ein ständiger innerer Kampf gegen den Ist-Zustand. Wir verbringen enorm viel kognitive und emotionale Energie damit, Dinge abzulehnen, die im Moment bereits Tatsache sind. Dieser Widerstand aktiviert unser Stresssystem und befeuert emotionale Reaktivität. Anstatt eine Situation nüchtern zu erfassen, verstricken wir uns in Gedanken darüber, wie es sein sollte.
Akzeptanz bedeutet nicht Resignation, Passivität oder das Gutheissen von toxischen Situationen. Es geht darum, unabänderliches als solches anzunehmen, um keine unnötigen Ressourcen zu verschwenden. Sobald wir aufhören, unangenehmen Schmerzen oder äusseren Umständen mit Widerstand zu begegnen, werden wir merken, dass der Leidensdruck weggeht.
Ein Beispiel der Akzeptanz beschreibt Yongey Mingyur Rinpoche, Meister des tibetischen Buddhismus, der als Kind regelmässig Panikattacken erlebte.
«I decided to say welcome, really welcome from my heart to my panic. From now on I’m going to learn how to live with my panic. Not try to get it off.»
Als er dies umsetzte und seine Panikattacken akzeptierte, hörten sie auf.
Selbstbeobachtung: Wo dich dein eigener Widerstand Energie kostet
Fokussiere deine Aufmerksamkeit im Alltag darauf, wo du innerlich gegen die Realität ankämpfst:
- Bei körperlicher oder mentaler Erschöpfung: Kämpfst du gegen das Gefühl der Überforderung an? Gedanken wie «Ich darf jetzt nicht müde sein» oder «Andere schaffen das auch» erzeugen zusätzlichen Druck. Übe dich darin, den leeren Akku als puren Fakt zu akzeptieren, bevor du handelst.
- Bei unerwünschten Emotionen: Wenn Frust, Schmerz oder Wut auftauchen – versuchst du, diese Gefühle sofort wegzudrücken oder zu betäuben? Beobachte, was passiert, wenn du dem Gefühl kurz erlaubst, da zu sein, ohne es sofort verändern zu wollen.
- Bei festgefahrenen Konflikten: Gibt es im beruflichen Umfeld Personen oder Strukturen, die du momentan nicht ändern kannst, aber gedanklich permanent bekämpfst? Prüfe ungeschönt, wie viel Energie dich dieser automatische Widerstand täglich kostet.
Das Auflösen solcher dysfunktionalen Muster und des tief verankerten Widerstands erfordert Zeit. Wenn du diese inneren Blockaden fundiert bearbeiten und nachhaltige Bewältigungsstrategien entwickeln möchtest, begleite ich dich in meiner 1:1-Beratung. Um im eng getakteten Alltag einen ersten Schritt aus diesem Widerstands-Modus zu machen, nutze meine angeleitete «15 Minuten Pause».
Literatur
- 9 Attitudes Jon Kabat Zinn
- Meditation and Going Beyond Mindfulness - A Secular Perspective, Yongey Mingyur Rinpoche